Wort zum Palmsonntag

Der Palmsonntag ist der Beginn der Heiligen Woche und der Passionszeit, deshalb werden die Lesung vom Gottesknecht (Jes 50,4-7) und die Passionserzählung (Mt 26,14 - 27,66) gelesen. In dieser Corona - Zeit ist der leidende Jesus angesichts des übergroßen Leids in Italien, Madrid, New York und anderen Orten, sowie angesichts der massiven Ängsten, Leiderfahrungen und Befürchtungen bei uns ein ungewohnter Zugang zu Gott. 
Auch wenn es vielen bei uns noch recht gut geht - dank eines funktionierenden Staates und Gesundheitswesens, stellen sich viele existentielle Fragen. Wird es mich treffen? Werde ich andere gefährden? Wie gehe ich mit Krankheit, Leid und Tod um?
Der leidende Gottesknecht auf dieser Ikone steht für Jesus in der Passionszeit und damit für die Gebrechlichkeit und Endlichkeit des Menschen. So heißt dieser Bildtypus auch „Ecce Homo“ – seht, diesen Menschen! 
Mit dem Palmsonntag eröffnet die Passionszeit einen Blick auf den menschlichen Gott. Der leidende Jesus wird uns zum Bruder auch im Leiden. 

Gott ist nicht fern und kalt. Er kennt mich durch und durch auch in meinen Abgründen und Ängste. Gott sucht durch seine Menschwerdung und in der Passion Jesu den Menschen auch da, wo er verloren und einsam erscheint. Seine  leidenschaftliche Liebe zum Menschen hört da nicht auf, wo es ihm die Ablehnung, die Verspottung und die Auslöschung durch den Menschen einbringt. Der leidende Gottesknecht ist ein Trostbild. Mit der inwendigen Hoffnung auf Rettung und der Verbundenheit mit dem Vater wird er alles durchstehen. Seine Liebe endet nicht in Hass und am Kreuz. Die Auferweckung wird diesen König bestätigen und alle, die auf ihn schauen und ihm vertrauen. 

Die Ostkirche kennt die Ikone als Fenster zu Gott (Gold des Himmels). Die Ikone des leidenden Christus wird ab Palmsonntag in Griechenland und anderen orthodoxen Ländern besonders verehrt. Die ersten drei Tage der Karwoche sind die Tage des Bräutigams, der mit der Ikone des leidenden Christus in den Gottesdiensten und Gesängen geehrt wird. Seine leidenschaftliche Liebe scheut das Aushalten des Leids nicht.

Die abgebildete Ikone trägt den griechischen Titel Nymphios, der Bräutigam. Wie bei einer orthodoxen Trauung tragen Braut und Bräutigam eine Krone. Wie die Stola die Hände des Brautpaares bindet, trägt der Gottesknecht gefesselte Stricke um die Hände. Jesus der Bräutigam lässt sich ganz auf den Menschen ein auch im Leid. Das Schilfrohr das er in Händen trägt, steht für das Zepter seiner Sanftheit (Jesaja: Er bricht das geknickte Rohr nicht). Das rote Purpurgewand steht für seine göttliche Liebe. Die Ostkirche ehrt in der Karwoche den leidenden Christus als Bräutigam, der nicht nur in schönen Zeiten den Menschen sucht. Er verbindet sich mit dem Menschen auch im Leiden. Wer ihn aufnimmt, wird mit ihm in den Saal des himmlischen Hochzeitsmal