1. Impuls zum Hungertuch

DU STELLST MEINE Füße AUF WEITEN RAUM

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Unser Lebensraum ist seit gut einem Jahr in unbekanntem Maße in allen Lebensvollzügen begrenzt. Bei vielen liegen inzwischen die Nerven blank. Manche sind konkret mit Krankheit und Tod aufgrund einer Ansteckung mit Covid 19 beruflich oder privat sehr belastet oder müssen mit den wirtschaftlichen Folgen klarkommen. Andere waren schon vor Corona in ihrem Leben stark herausgefordert.

Der Psalm 31 aus dem dieser Vers entnommen ist, stammt allerdings auch nicht von einem Beter oder einer Beterin, die sich locker über alle Sorgen hinweg frei durch das Leben schwingt - im Gegenteil. Da klagt jemand sein Elend, nennt die innersten Ängste, wird reingelegt und getäuscht, hat Feinde. Ein ganzes Register schlechter Erlebnisse wird da ausgebreitet. Geht noch mehr? Doch dieser Mensch verschließt sich nicht in seinem Elend. Er breitet alles vor Gott aus. Damit weitet er sich schon! Wenn Gott Jahwe sein Volk aus Ägypten, d.h. aus Unfreiheit und Unterdrückung befreit, sollte er nicht sich selbst und seinem Volk Israel treu bleiben? Heißt dieser Gott nicht „Ich bin da“, der alles sieht, befreit und neue Perspektiven eröffnet? In der Tat machen Menschen selbst in diesen Tagen Erfahrungen der Weite. Da erlebt man neu Solidarität und Zuwendung, bemerkt eine Hinwendung zu fast vergessenen Werten. Manche machen Erfahrungen, die sie nicht mehr müssen wollen, weil sie mit der Ohnmacht umgehen. Es ist möglich, dass sich selbst in der Pandemie eine neue Weite zeigt. Die Künstlerin Sanchez setzt auf diese Kraft des Wandels. Wir sind eingeladen, mit dem Beter oder der Beterin dieses Psalms unser Leben in jede Zeile dieses Gebets hineinzulegen und es zu wagen, diesem befreienden Gott jetzt zu vertrauen.


Wenn es manchmal eng wird im Leben,
im Alltäglichen, im Beziehungsgeflecht,
 im Beruf, in der Familie, in mir.
Wenn mir sprichwörtlich danach ist,
„das Weite zu suchen“,
tut es gut an einen Ort in der Natur zu gehen, und dann:

einfach nur dasitzen

ins Weite schauen
den Wind fühlen
die Luft riechen
den Atem spüren
die Stille hören

sich in die Ruhe fallen lassen
die Zeit vergessen

in mir sein
und bei dir
mein Gott

denn DU führst mich hinaus ins Weite

 

 

Wie wirkt dieser Vers auf mich?
 

 

Text: Ida-Anna Braun

 

Psalm 31
HERR, bei dir habe ich mich geborgen.

Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit; rette mich in deiner Gerechtigkeit!

Neige dein Ohr mir zu, erlöse mich eilends!

Sei mir ein schützender Fels, ein festes Haus, mich zu retten!

Denn du bist mein Fels und meine Festung;
um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten.

Du wirst mich befreien aus dem Netz, das sie mir heimlich legten; denn du bist meine Zuflucht.

In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist;
du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue. 

Verhasst waren mir, die nichtige Götzen verehren,
ich setze auf den HERRN mein Vertrauen. 

Ich will jubeln und deiner Huld mich freuen; denn du hast mein Elend angesehn,
du kanntest die Ängste meiner Seele. 

Du hast mich nicht preisgegeben der Hand meines Feindes,

du stelltest meine Füße in weiten Raum….  

 

Hier noch ein video zum Thema:

 

https://youtu.be/p8c6Vj6cSv0